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Historie Schloss Neubeuern

Schloss Neubeuern um 1563   
von Jost Aman Schloss Neubeuern – eine lange Geschichte...

Hoch- und Spätmittelalter
Im 10. Jahrhundert befand sich Beuern unter der Herrschaft des Erzbischofs Friedrich von Salzburg. Ein Blutsverwandter des Bischofs, Graf Aribo, besaß zur gleichen Zeit die Burg Falkenstein am linken Ufer des Inns. Er tauschte mit dem Bischof einige Besitzungen und erhielt so das Vogteirecht über die Ortschaften Alten-, Neubeuern und Rohrdorf. Letzter Spross der Falkensteiner war Graf Konrad. Er trat in den geistlichen Stand und wurde Bischof von Regensburg. Er stiftete das St. Johanneshospital in Regensburg und überließ sämtliche seiner weltlichen Besitzungen dem Domstift Regensburg. Dadurch blieben nach Konrads Tod (1226) auch die Ortschaften Alten- und Neubeuern unter der Herrschaft des Domkapitels von Regensburg, unter der sie bis 1388 bleiben sollten. In die Stauferzeit fällt auch die Entstehung der Burg Neubeuern. Sie wurde nördlich des Ortes auf einem Sandsteinfelsen erbaut, der nach Osten, Süden und Norden hin steil abfiel und insgesamt mit einer Ringmauer befestigt war. Am höchsten Punkt des Felsens, in der nordöstlichen Ecke, errichtete man den quadratischen Palas. Und in der südöstlichen Ecke befand sich freistehend die alte Schlosskapelle. Den ältesten Teil der Burg aber bildet der schon immer frei stehende Bergfried. Die mächtigen Felsquader, aus denen er gebaut wurde, verweisen auf eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Bischöfe von Regensburg setzten Vögte ein, um Burg Neubeuern zu verwalten. Bischof Sifrit stellte Neubeuern unter die Obhut des damals mächtigen Grafen Konrad von Wasserburg (1234-1247) und dieser soll veranlasst haben, für Burg Neubeuern die 2 m dicke Ringmauer zu erbauen und sie mit 9 Türmen zu befestigen. Burg Neubeuern wurde dadurch zur stärksten Festungsanlage des Inntals. Die Bischöfe gaben Burg Neubeuern im Laufe der Zeit verschiedenen Adeligen in Pflege. So erhielt 1331 Eglof von der Warte die Burg. Seit 1342 darf Heinrich der Flätzbeck, die Burghut ausüben. Im Jahre 1348 gab Bischof Friedrich von Regensburg die Burg an seinen Chorherren Dietrich Auer von Premberg und 1352 weiter an Sighart, den Jüngeren, von Eglhofsheim in Pflege. Bis 1372 hatte sie Zacharias von Höhenrain inne. Bischof Johann entschloss sich im Jahre 1388, die Burg an den Ritter Hartprecht von Harskirchen auf Zangberg zu verkaufen. Das Wappen zeigt die Zange „Harskirchners“. Er bewirkte, dass der Ort Neubeuern im Jahre 1393 die Rechte eines Marktes mit Steuerfreiheit und eigene Gerichtsbarkeit erhielt. Doch im Jahre 1400 übergab Ritter Hartprecht die Burg an Wolfhart von der Alben und dieser verkaufte sie schon 1403 weiter an den Ritter Jakob von Thurn. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es einen Sigmund von Thurn zu Kufstein, dem Kaiser Karl V. 1524 das Recht zubilligte, mit rotem Wachs zu siegeln. Sigmunds Sohn „Jakob von Thurn zu Neubeuern und Au“ wurde schließlich am 16. Januar 1570 durch Kaiser Maximilian II. in Prag in den Freiherrenstand erhoben. Ihm folgten als Besitzer der Burg sein Sohn „Sigmund Freiherr von Thurn zu Neubeuern und Au“ und 1618 dessen Sohn aus zweiter Ehe, Georg Freiherr von Thurn.

17. und 18. Jahrhundert

Die Herren von Thurn nahmen an Burg Neubeuern wesentliche bauliche Umgestaltungen vor. Der Palas, das Kernstück der Anlage, wurde 1598 verändert. Entlang der nördlichen Beringmauer wurde ein weiterer Wohn- und Wirtschaftstrakt gebaut und schließlich entstand im Jahre 1600 der große Verbindungsbau zwischen Palas und Burgkapelle. Die Hauptburg ist ringsum mit einer hohen Mauer umgeben. An der Nordwestseite befand sich ein Eisentor und im Südostteil stand die alte romanische Kapelle. Am Bergfried hat sich bis Ende des 16. Jahrhunderts eine Windmühle befunden. Der Holzschnitt von Jost Amann von Burg Neubeuern zeigt, wie man sich die Burg vorstellen kann. Mit dem Tod des Freiherrn Georg von Thurn 1632 starb das Geschlecht in männlicher Linie aus. Georg hatte aber drei Töchter: Maria Katharina, Maria Juliana und Maria Susanna. Die erste heiratete den Freiherrn Johann Sebastian Nothafft von Weißenstein, Vitztum zu Straubing. Sie erbte den größten Teil der Neubeurer Besitzungen. Maria Susanna heiratete in zweiter Ehe den Reichsgrafen Johann von Maxlrain und Hohenwaldeck, so dass Teile der Neubeurer Herrschaft an die Grafen von Maxlrain kamen. Damit war die Herrschaft Neubeuern zunächst in mehrere Teile zersplittert. Doch den Grafen von Preysing-Hohenschau sollte es gelingen, die alte Einheit wieder herzustellen. Die Preysinger waren ursprünglich ein hessisches Adelsgeschlecht, welches schon vor 1100 nach Bayern kam und das Stammschloss Alten-Preysing zwischen Landshut und Mosbach an der Isar erbaute.

Die Übernahme der Neubeuernschen Gebiete durch die Preysings begann nun damit, dass Johann Franz als Fürstbischof von Chiemsee für seinen Neffen Johann Maximilian II. (1643/1668-1718) im Jahre 1674 von den Grafen von Maxlrain aus dem Thurnerischen Erbe die Hälfte der Hofmarken Alt- und Neubeuern erwarb. Nachdem Max II. 1718 aber kinderlos gestorben war, beerbte ihn sein Vetter Johann Maximilian aus der Reichersbeuerner Linie. Unter dem Namen Johann Maximilian III. von Preysing-Hohenaschau erwarb er 1732 von den Schwestern Violanta und Josepha Nothafft die andere Hälfte der Herrschaft Neubeuerns aus dem Thurnerischen Erbe. Als es dem ältesten Sohn von Max III., Johann Maximilian IV. von Preysing-Hohenaschau (1687/1739-1764), im Jahre 1749 schließlich gelungen war, von der Gräfin Maria Elisabeth von Ruepp auf Falkenstein, die letzten zu Neubeuern gehörenden Grundholden an sich zu bringen, befand sich die Herrschaft Neubeuern wieder geschlossen in einer Hand. Die Bedeutung von Max IV. für die Baugeschichte der Burg Neubeuern kann kaum überschätzt werden. Er kann als der große Bauherr seines Geschlechts bezeichnet werden, denn er ließ alle in seinem Besitz befindlichen Schlösser im Stile des Rokoko „modernisieren“. In die Zeit seiner Herrschaft fällt der Österreichische Erbfolge-Krieg (1740-1748), in welchem der bayerische Kurfürst Karl III. Albrecht und Maria Theresia sich um die Nachfolge von Kaiser Karl VI. stritten. Der Preysinggraf geriet dabei – auf Seiten der Bayern stehend – in die Auseinandersetzung und musste dafür teuer bezahlen. Seine Burg in Neubeuern wurde von ungarischen Truppen der Maria Theresia verwüstet. Die zerstörten Schlossmauern mussten zum Teil gesprengt werden. Doch Max IV. sah darin nicht nur einen Schaden, sondern nutzte die Gelegenheit des Wiederaufbaus zur Umwandlung der Burg in ein angenehmer zu bewohnendes Schloss. Die Pläne dafür lieferte der Münchener Stadmaurermeister Ignaz Anton Gunetzrhainer zusammen mit seinem Bruder Johann Baptist, und ausgeführt wurde der Bau unter der Leitung des Maurermeisters Philipp Millauer aus Feilnbach. Nach dem Tode von Johann Maximilan V. im Jahre 1827 wurde sein Sohn Max VI. von Preysing-Hohenaschau (1773-1841) sein Nachfolger. Doch er starb unverheiratet und kinderlos, so dass sein Bruder Johann Christian von Preysing 1841 die Herrschaft übernahm. Dieser besaß nun die Schlösser Hohenaschau, Wildenwart, Brannenburg und Neubeuern.

Die anbrechende Moderne

1882 kaufte Jan Wendelstadt zusammen mit seiner Mutter Alberta Walkart Wendelstadt, einer niederländischen Adeligen, Schloss Neubeuern. 1891 wurde Jan Wendelstadt in den bayerischen Adelsstand erhoben und zum Freiherrn ernannt. Einen Eindruck vom gesellschaftlichen Leben auf dem Schloss vermitteln die Fotos und Gästebucheinträge der sieben Gästebücher (1882-1939). Im Oktober 1895 schließlich heiratete er Julie Gräfin von Degenfeld-Schonburg (1871-1942), eine Hofdame der Königin von Württemberg, auf Schloss Eybach, dem Stammsitz der Grafen Degenfeld-Schonburg. Die Tradition der Gastlichkeit von Schloss Neubeuern fand ihren Höhepunkt in den sog. „Neubeurer Wochen“ um 1910. Hier trafen sich zum Jahreswechsel bedeutende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie die Dichter Hugo von Hofmannsthal, Harry Graf Kessler, Rudolf Borchardt, Rudolf Alexander Schröder und Annette Kolb, die Maler Leo Putz, Franz von Stuck und Franz von Lenbach, die Architekten Henry van de Velde und Bruno Paul und Musiker wie Max von Schillings und Walter Pembaur, um nur einige zu nennen. Von 1904-1908 ließ Baron von Wendelstadt durch den Münchener Architekten Gabriel von Seidl den Mittelbau großzügig im Stil der deutschen Neurenaissance neu errichten. Eberhard von Bodenhausen, Kunsthistoriker (Mitherausgeber der Zeitschrift „Pan“) und später Krupp - Direktor heiratete 1897 Dorothea Gräfin Degenfeld Schonburg, die Schwester Julie von Wendelstadts. Christoph Martin Graf Degenfeld-Schonburg, der Bruder Julies, lernte auf Schloss Neubeuern Ottonie von Schwartz kennen und heiratete sie 1906. Kurz vor dem frühen Tod von Christoph Martin 1908 wurde ihre Tochter Marie-Therese geboren. Ottonie ist bekannt durch ihre enge Freundschaft mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal, die in ihren Briefwechseln veröffentlicht ist. Jan von Wendelstadt vererbte kurz vor seinem Tode 1909 das zum Schloss gehörende Gut Hinterhör und die Jagdhütte am Heuberg Ottonie Gräfin Degenfeld-Schonburg. Hinterhör wurde 1970 verkauft und die Heuberghütte befindet sich heute im Besitz der Familie Miller, den Erben Marie-Therese Miller-Degenfelds.

Die 7 Gästebücher Schloss Neubeuerns aus der Zeit von 1882-1939, die inzwischen als Buch (Reinhard Käsinger, „Aus den Gästebüchern von Schloss Neubeuern“) erschienen sind, geben einen Überblick über eine kulturhistorisch bedeutende Epoche des Schlosses und der Marktgemeinde.

Schloss Neubeuern wird Schule

Die Anregung für die Schulgründung im Schloss bildete Salem mit seinem Gründer Kurt Hahn. Die rettende Idee für die Finanzierung kam Julie von Wendelstadt mit dem Verkauf ihrer Waldflächen am Tinninger See. Mit Josef Rieder, der aus Zuoz nach Neubeuern kam, fand man den geeigneten Direktor.

Am 5. Mai 1925 zogen die ersten 25 Schüler ins Schloss ein. Als offizieller Schulgeburtstag gilt der 1. März, der Geburtstag der Gründerin Julie von Wendelstadt. Im Schloss kümmerte sich Julie wie eine zweite Mutter um die Kinder. Auf Gut Hinterhör, wo ihre Schwägerin Ottonie wohnte, wurden junge Mädchen in Koch- und Gartenkunst ausgebildet.

Die Philosophie der Landerziehungsheime nach ihrem Gründer Hermann Lietz fand auch in Neubeuern immer mehr Eingang in den Schulalltag. Hier spielte auch der Sport als Ausgleich zur akademischen Arbeit eine große Rolle. Seit 1927 gab es jährliche Sportfeste, die ab 1930 zum Sommerfest mit Sport, Theater und Musik erweitert wurden. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten. Ab 1929 wurden die Jungen der Unterstufe in Hinterhör untergebracht, um Platz für Schüler im Schloss zu schaffen. Für die sportliche Ertüchtigung baute man 1930 eine neue Sporthalle. Ab 1930 konnte das Abitur im Hause abgehalten werden.

1934 entschloss sich Julie von Wendelstadt, über ihren Tod hinaus Schloss Neubeuern als Schule zu erhalten. Zu diesem Zweck wurde eine Stiftung gegründet. 1939 entstand so die „Gemeinschaft der Freunde des Landschulheims Neubeuern“, die am Anfang hauptsächlich aus Eltern bestand. Ab 1939 wurde der Druck des nationalsozialistischen Regimes auf die liberal eingestellte Schule immer größer. Am 13. Februar 1941 wurde die Schule auf Erlass des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus geschlossen.

Am 12. November 1942 in einer schweren Zeit verstarb Julie von Wendelstadt, die uns bis heute in dankbarer Erinnerung ist. Von 1942-1945 wurde in Schloss Neubeuern eine NAPOLA „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ eingerichtet. 1945 zog eine Sanitätskompanie ein und errichtete ein Feldlazarett. Dank des persönlichen Einsatzes von Ottonie Gräfin Degenfeld-Schonburg mit ihrer Tochter Marie Therese Miller-Degenfeld und der Unterrichtsgenehmigung von Direktor Rieder konte die Schule im April 1948 in kleinem Umfang wieder eröffnet werden. Am 15. Juni 1948 genehmigte das Kultusministerium die „Stiftung Landerziehungsheim Neubeuern“.
1950 konnte man schon wieder 220 Schüler im Schloss unterrichten.

Galerie Impressionen Schloss Neubeuern

Gut Hinterhör -
Luftbildaufnahme_1938 -
Mittelbau Südseite um 1920 -
Blick von der Südterrasse Richtung Westen -
Ostbau um 1900 -
Blick vom Schloss Neubeuern 2010 -